Berlin! Berlin! Wir wandern nach Berlin!

Die letzte Tagestour ist natürlich immer etwas besonderes. Mit der Siegessäule hatten wir uns auch ein symbolträchtiges Ziel gesetzt. Ohnehin ist Berlin bei der Durchquerung von Deutschland ein ganz besonderes Ziel. Fabio war es damals als wir en Vertrag gemacht hatten, sehr wichtig, dass unsere Wanderung durch Berlin ging.

Es gab aber noch eine Besonderheit - diesmal gingen wir die Strecke nicht alleine. Diesmal war unser Freund Bilgin Kilic mit dabei, der einfach dieses Stück mit uns gemeinsam erleben wollte. Eigentlich müsste man sagen, dass er das Stück mit uns gemeinsam "durchleiden" wollte, denn Bilgin ist genau das Gegenteil von einem leidenschaftlichen Wanderfreund. Es ist schon eine ganz besondere Leistung, wenn man mit Freunden auch Sachen macht, die man alleine niemals freiwillig machen würde.

Bilgin ist schon mal eine Tagestour mit uns gewandert. Das war die Strecke von Raunheim nach Frankfurt. Auch damals war es sehr heiß. Hinzu kam, dass Bilgin damals die falschen Schuhe hatte und auch noch von einer Wespe am Kopf gestochen wurde.

In unserer Jugendherberge am Wannsee starteten wir zunächst mit einem lockeren Frühstück auf der Terrasse. Dann nahmen wir Abschied von Miao und Alia. Die beiden fuhren in den Zoo und wir vereinbarten, dass wir uns dann später an der Siegessäule treffen.

Wie Mütter so sind, gab es  noch eine Ermahnung, dass Fabio unbedingt eine Mütze gegen die Sonne tragen musste. Bilgin und ich gingen mit gutem Beispiel voran und trugen ebenfalls einen Sonnenhut. Kaum waren Miao und Alia mit dem Auto um die Ecke abgebogen, flogen die Mützen auch wieder in den Rucksack.

Unser Weg führte ohnehin durch den Wald entlang vom Wannsee - wer braucht da eine Mütze? Unterbrochen wurde der Waldweg nur durch historische Orte, wie z. B. das Strandbad Wannsee. Auch wir konnten uns nicht zurückhalten und haben in dem Abschnitt "Großes Fenster" die Füße ins Wasser gesteckt.

Insgesamt nahmen wir uns viel Zeit für die Strecke und für Beobachtungen. So gab es schöne Infotafeln zum Pechsee ("Glücksfall Pechsee") und beim Teufelssee nahmen wir uns von einem mobilen Kaffeestand einen Kaffee und führten einen kleinen Plausch mit den Leuten. Die sprachen auch viel über Sternzeichen, was mich ja eigentlich überhaupt nicht interessiert. Aber anscheinend war die Bestellung eines Kaffees ausreichend um felsenfest zu behaupten, dass ich die typischen positiven Eigenschaften eines Steinbocks hätte (tatsächlich ist das mein Sternzeichen). Ich war doch sehr verblüfft und es gab auch einige andere Sachen, die schon fast metaphysisch waren.

Jetzt nehme ich diese Verwirrung auch gleich als Entschuldigung für ein paar Sachen, die ich verpeilt habe. Eigentlich wollte ich dort noch das Naturschutzzentrum Ökowerk besuchen und außerdem wollte ich mit Fabio und Bilgin über den Teufelsberg gehen. Der Teufelsberg ist ein künstlicher Berg aus Bautrümmern, auf dem im kalten Krieg Abhörgebäude errichtet wurden. Wie gesagt, ich habe es beim Gehen einfach vergessen. Plötzlich - bei Kilometer 12 - waren wir richtig in Berlin. Hier endete der Wald und ich sagte, "noch einmal um die Ecke und wir sind an der Siegessäule". Im Klartext hieß das 6 Kilometer geradeaus.

Natürlich machten wir aber auch noch eine Mittagspause. Für uns war auf der Strecke ein Döner die erste Wahl. Bilgin bestellte die Sachen und wir entspannten noch eine Weile. Eigentlich wollten wir auch noch die Cafeteria TU "Skyline" am Erst-Reuter-Platz besuchen, aber die hatte an dem Tag geschlossen.
Wir hatten unterwegs noch viel Spaß mit kleinen Dingen. Z. B. die Werbeschilder mit der Deutschen Mannschaft für alle möglichen Produkte - das war teilweise schon sehr lustig.  Zum Schluss wurde es im Tiergarten wieder sehr grün und schon standen wir siegreich vor der Siegessäule. Dort wollten wir uns natürlich gleich für den Triumph belohnen, aber das Kaffee stellte gerade schon die Stühle hoch.
Miao und Alia waren nicht mehr weit weg. So trafen wir uns schon bald und dann ging es gemeinsam hoch zur Gold Else.

Berlin lag uns zu Füßen! Von Illingen bis Berlin sind wir nun gewandert. Der Rest bis Stettin erscheint uns in diesem Moment wie ein Katzensprung.