Zwei Landschaften und ein Monument

Am Morgen war erneut sehr schönes Wetter, obwohl es noch recht frisch war. Wir nahmen unser Frühstück in der Bäckerei Haupt in Melchow. 3 Meisterbriefe hingen an der Wand, jeder aus einem anderen System. Es handelt sich noch um eine echte Dorfbäckerei und neben den kleinen Leckereien, die wir zum Frühstück aßen, nahmen wir auch noch ein wenig zum Essen mit. Melchow ist jetzt nicht unbedingt ein Ort mit pulsierendem Leben, aber das Dorfleben scheint noch zu stimmen.

Unser Weg ging dann recht schnell in den Wald entlang der alten „Heerstraße Bernau“. Dieser Weg wurde schon im Mittelalter genutzt und sehr viele Truppenbewegungen liefen wohl über diesen Weg. Wir waren aber relativ alleine. Die dünne Besiedlung von Brandenburg ist hier spürbar. Auch sind die Wälder recht mager, da die Böden sandig sind und die Bäume somit immer um Wasser und Nährstoffe kämpfen müssen. Auf dem Weg hatten wir aber schon ein paar schöne Naturerlebnisse. Kraniche und Blindschleichen konnten wir sehen. Irgendwie hatte ich es aber trotzdem geschafft, von der ursprünglich geplanten Route abzuweichen, aber auch so ging es nach Eberswalde und wir kamen an einen Ort, mit sehr schöner Aussicht auf den Ort. Ekelhaft war nur, dass überall Naziaufkleber waren. Leider ein echtes Problem im Osten (wenn auch nicht nur dort).

In Eberswalde wurde auch einiges saniert und modernisiert. So steht dort das Paul-Wunderlich-Haus, mit Werken des in Eberswalde geborenen Künstlers.

Fabios Interesse galt aber eher einem kleinen Imbiss und den gönnten wir uns bei „brndnbrgr“. Ich besorgte mir außerdem noch Salviathymol in der Apotheke, denn ich hatte eine unangenehme Entzündung im Mund.

Die weitere Strecke ging entlang des Finowkanals. Der Finowkanal ist der älteste Kanal in Deutschland und ist sehr reich an Tieren. An einer Stelle dachte ich, das im Schilf ein alter Lederfußball liegt. Das war dann aber tatsächlich eine große Schildkröte. Regelmäßig machten wir kleine Pausen und massierten uns die Füße. Der Weg war zwar sehr schön, aber wir liefen viel auf Asphalt.
Irgendwann haben wir die Abzweigung nach Norden verpasst und so gingen wir durch Niederfinow. Mit einer älteren Frau hatten wir noch ein kleines Gespräch. Sie war erstaunt, dass wir so eine weite Strecke gewandert sind und kannte sogar Illingen. Als sie noch jünger war, war sie auch im Saarland mit dem Fahrrad unterwegs. Wir sprachen noch über die Landschaft und erst jetzt bemerkte ich, dass direkt gegenüber ein Storchennest war. Die Frau meinte aber, dass der Storch sehr unfähig sei, denn er hat praktisch nichts in den Nestbau investiert - „So kriegt der nie eine Frau!“

Da wollten wir auch nicht zu faul sein und fleißig weiter wandern. Es dauerte jetzt auch nicht mehr so lange und wir konnten das Schiffshebewerk sehen und kamen schließlich beim Hotel an. Die Angestellte stammte aus Vietnam und erkannte sofort, dass Fabio eine chinesische Mutter hat. Wir saßen uns auf die Terrasse, um noch etwas zu Essen, aber der Wind wurde doch zu heftig. Dann aßen wir unsere Fische aus der Region Barnim eben drinnen – Fabio ein Zanderfilet und ich ein Stück vom Wels. Lecker!

Auf dem Zimmer schauten wir uns noch den Film „Die Glücksritter“ an.