Neulich durfte ich einen Vortrag an einer berufsbildenden Schule zum Thema Cleanup und Nachhaltigkeit halten. Gerne erzähle ich davon, welch große Mengen an Ressourcen hier vernichtet werden, weil sie z. B. als Einwegbecher nur einmal genutzt werden, oder beim Recycling qualitativ an Wert verlieren, bzw. große Mengen an Energie erfordern.

Ein anderer Punkt ist unser Umgang mit Lebensmitteln. Auch hier steckt wahnsinnig viel Energie drin und ein hoher Prozentsatz ist am Ende Müll.

Eine Schülerin meinte aber, dass nachhaltiges Leben eine Sache für Menschen mit hohem Einkommen ist. Ich entgegnete, dass nachhaltiges Leben sogar Geld spare und ich das beweisen möchte. So trete ich ein Selbstexperiment an. In den Sommerferien vom 23. Juli bis 27. August möchte ich keine Lebensmittel kaufen. Nutzbar sind in dieser Zeit nur:

Eine kleine Hintertür habe ich mir auch eingerichtet. So erlaube ich mir den Einkauf von fehlenden Sachen, wenn ich diesen mit gesammelten Flaschen und Dosen finanzieren kann. Damit das nachhaltige Leben noch mehr Spaß macht, habe ich das Gas abgeschaltet und kann somit nur kalt duschen. Außerdem werden die eigenen Hühner ebenfalls nur von Abfällen ernährt.

Zeit für ein kleines Zwischenfazit (10. August)

Am 10. August kann ich sagen, dass ich bisher keine Lebensmittel einkaufen war. Allerdings war ich 2 Tage im Kurzurlaub mit Freunden, die hier nicht zählen können. Der einzige Besuch in einem Geschäft war die Pfandrückgabe und der Kauf von Entkalker für die Kaffeemaschine (vom Pfandgeld finanziert). Bisher ist das Experiment viel einfacher als gedacht. Der Garten gibt viel her (Bohnen, Tomaten, Zucchini) und auch über die Lebensmittelrettung kamen stets genau die Sachen, die ich gerade gut gebrauchen konnte. Eng wurde es tatsächlich nur beim Hühnerfutter in der Zeit, als meine Nachbarn im Urlaub waren. Da vielen kaum Abfälle an und so musste ich nach ausreichend Futter suchen. Vogelmiere aus dem Garten war da ein guter Bestandteil. Außerdem habe ich viel Löwenzahn und Brennnesselnüsschen gesammelt. Auch beim Müllsammeln gab es immer wieder Dinge, die ich noch gut an die Hühner verfüttern konnte. Es ist sogar so, dass ich weitere Vorräte aufbauen konnte. So gibt es einige Portionen an Bohnen und auch Brombeermarmelade aus Wildbrombeeren habe ich gemacht. Bei Eiern hatte ich einen großen Überschuss und konnte reichlich Eier verschenken. Auch mein Vorrat an Pfandbons ist ganz beachtlich.

Ich kann also sagen, dass ich mich weitgehend kostenlos, vielseitig und qualitativ hochwertig ernähren konnte. Es war immer sehr lecker und ausgewogen. Dagegen steht ein gewisser Zeitaufwand und die Ungewissheit, was und wie viel an Lebensmittlen dann kommt. Man macht sich Gedanken, wie man die vorhandenen Dinge gut verwerten kann.

Jetzt geht es ans Eingemachte (14. August)

Ich bin in zwei Lebensmittelrettungsgruppen drin und bekomme so immer Nachrichten über Lebensmittel, die ansonsten in die Tonne wandern könnten. Nun haben aber beide Foodsaver Sommerpause und entsprechend gibt es keinen Nachschub an geretteten Lebensmitteln. Jetzt gilt es für die nächsten zwei Wochen von den Dingen aus dem Garten und den eigenen Vorräten zu leben. Brot wird damit natürlich nicht ausreichend vorhanden sein, aber ich habe noch Mehl und es gibt noch viele andere Alternativen.

Die letzten Tage

Am 27. August endet mein Experiment und es gab nur eine kleine Herausforderung. Am 26. August veranstalteten wir ein Zero-Waste Sommerfest mit Cleanup.Saarland. Einige Sachen wollte ich auch für das Buffet beisteuern und auch das hat prima geklappt. Mit dabei war dann ein Gemüsesalat, frittierte Salbeiblätter, Kartoffelsalat mit Linsen und als Dessert ein Brotpudding. Auch das hat alles prima geklappt. Am letzten Tag kamen dann die anderen Familienmitglieder zurück. Ich habe das Gas wieder eingeschaltet und wir hatten sogar ein Begrüßungsfest mit den Nachbarn gemacht. Hier gab es Bruschetta, denn vom Sommerfest war noch viel Brot übrig und Tomaten bietet der Garten im Überfluss.

Fazit

Ich war selbst erstaunt, wie gut das Experiment geklappt hat. Natürlich heißt das nicht, dass sich Menschen mit niedrigem Einkommen kostenlos ernähren können. Nicht jeder Mensch hat einen Garten und Hühner. Nicht in jeder Jahreszeit kann man täglich etwas im Garten ernten und nicht immer bietet die Lebensmittelrettung so viele Sachen. Das gesellschaftliche Ziel sollte ja auch sein, dass es keine Lebensmittelrettung geben müsste. Wir haben auch die Möglichkeit, dauerhaft gewisse Vorräte im Haus zu haben. Nudeln, Konserven mit Tomaten, Öl, Zucker, getrocknete Hülsenfrüchte, etc. haben wir immer im Haus.

Worum es aber auch geht, ist der Erfolg durch bewussten Konsum. An jedem Tag musste ich mir Gedanken machen, was ich esse und was ich an dem Tag NICHT esse. Ich musste improvisieren und dennoch planen. Der Aufwand beim Kochen war höher. Für die Hühner habe ich in großen Mengen Brennnesseln, Löwenzahn, Fallobst, etc. gesammelt. Auch Müllfunde wurden verfüttert. Dieser Teil war auch sehr interessant aber auch zeitintensiver.

Auch ungenutzte Potentiale wurden sichtbar. Es gibt viele Flächen im öffentlichen Raum, die man auch besser nutzen könnte. Für Böden, Mikroklima, Insekten, etc. wäre ein anderer Bewuchs mit nutzbaren Pflanzen oft sinnvoller.
Ich habe mir vorgenommen, mich mit Kräutern intensiver zu beschäftigen und mehr zu probieren. Mir fehlt einfach auch das Wissen und die Phantasie, ob und wie eine Pflanze nutzbar ist. Insbesondere bei Pilzen bin ich vollkommen unwissend.

Es gibt auch ein paar überraschende Erkenntnisse. So habe ich kaum Vorräte abgebaut. Die Gefriertruhe ist eher voller geworden. Ich habe auch nicht weniger gegessen. Es gab immer mehr als ausreichend Essen bei mir. Das Essen war auch ausgesprochen lecker und vollwertig. Ich denke, dass das daran liegt, weil ich mir mehr Gedanken ums Essen gemacht habe, aber wohl auch, weil es einen höheren Gemüseanteil gab. Fleisch und Milchprodukte standen deutlich seltener auf dem Speiseplan, das war aber keine Einschränkung.

Besonders stolz bin ich, dass ich auch noch ein ganz guter Gastgeber sein konnte und selbst Besuch gut bewirten konnte.